Demeter bleibt dabei: Blauzungen-Impfung muss freiwillig
sein
Nach Erfahrungen mit dem ersten Impfgang gegen die
Blauzungenkrankheit (BT) und vor dem Hintergrund des bevorstehenden Impfzuges ab Februar
2009 erneuert Demeter seinen Protest gegen die Zwangsimpfung. Jeder Landwirt soll
selbst entscheiden können, ob er seine Tiere gegen die Blauzungenkrankheit impfen lässt
oder nicht, fordert Demeter-Vorstand Stephan Illi für die rund 1400 bio-dynamisch
wirtschaftenden Erzeuger in Deutschland.
Den Öko-Pionieren ist die freie Entscheidung aus eigener, bewusster
Erkenntnis besonders wichtig. Sie halten die staatlich verordnete Pflicht zur Impfung
gegen die Blauzungenkrankheit für fragwürdig und den propagierten flächendeckenden
Impfschutz für eine Illusion. Wir fühlen uns bestätigt durch die Erfahrungen aus
diesem Sommer, die Zweifel an der Wirkung der Impfung nähren, unterstreicht der
Agraringenieur Illi.
Trotz Impfung seien immer wieder Neuerkrankungen aufgetreten. Die
Ausbreitung des BT-Virus in der Natur durch ständig wiederholte, flächendeckende
Impfungen der Nutztiere zu verhindern sei ganz offenbar unrealistisch. So konnten
inzwischen zahlreiche weitere Serotypen des Blauzungenerregers erkannt werden, gegen die
es noch gar keine Impfstoffe gebe. Das zeigt, wie wenig wir bisher über die
Ausbreitung des Virus in all seinen Unterarten wissen. Es lässt Zweifel aufkommen, ob
wirklich allein die Gnitzen kleine Mücken als Überträger anzusehen
sind, meint Demeter und fragt: Welchen Sinn macht die Impfung gegen einen
Virustypen, wenn zwei weitere vor der Haustüren stehen, für die es gar keinen Impfstoff
gibt?
Außerdem zeige sich, dass in vielen Bundesländern mehr kranke
Tiere durch Nebenwirkungen der Impfung registriert wurden als Blauzungenfälle. Der
Einsatz von nicht zugelassenen und nicht ausreichend geprüften Impfstoffen darf niemandem
aufgezwungen werden schon gar nicht den Tierhaltern, die auf natürliche Immunität
setzen und die Gesundheit ihrer Herden durch optimale Haltung und Fütterung
stärken. In ihrer Argumentation berufen sich die bio-dynamischen Landwirte auch auf
ihre europäischen Nachbarn. So sei die Krankheit in England selbst im Winter
ausgebrochen, wenn gar keine Gnitzen fliegen. Großbritannien und die Niederlanden hätten
auf die staatlich verordnete Impfpflicht komplett verzichtet.
Der Öko-Verband verweist zudem auf Aussagen der
Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, die inzwischen von einer breiten, natürlichen
Durchseuchung der Rinderherden ausgehe. Die natürliche Immunität, die im Gegensatz zur
Impfung mit nur 100 Tagen Wirksamkeit lebenslang hält, sei immer die bessere Lösung.
Zahlreiche Meldungen über Impffolgen wie Verkalbungen,
Leistungseinbrüche und plötzliche Todesfälle sind bei Demeter eingegangen. Leider
werden solche Hinweise von der Industrie und den Veterinärämtern oft gar nicht weiter
verfolgt, bedauern die Demeter-Bauern. Besonders erschreckend finden sie, dass
Landwirte, die ihre Tiere aus guten Gründen nicht impfen lassen wollten, zum Teil
massiven, polemischen Angriffen und erheblichem Druck ausgesetzt waren. Gezeigt habe sich,
wie Ausnahmegenehmigungen regional sehr unterschiedlich gehandhabt worden seien. So hätte
in Hessen selbst der Nachweis der natürlichen Immunität nicht ausgereicht, den
Veterinär zu überzeugen, während das in NRW reibungslos ging.
Noch ist Zeit, dem Gesetzgeber klar zu machen, dass die Zwangsimpfung gegen BT der falsche Ansatz ist, setzt Stephan Illi auf Erkenntnis auch bei den Behörden. Vielleicht kommen ausstehende Gerichtsentscheidungen in Sachen BT-Zwangsimpfung so rechtzeitig, damit vor dem zweiten Impfgang Rechtssicherheit entsteht. Einige Demeter-Bauern haben den juristischen Weg eingeschlagen. Sie kritisieren vor allem, dass der Impfstoff nicht ausreichend untersucht sei. Fragen auch von besorgten Verbrauchern - nach möglichen Auswirkungen auf Milch und Sperma könnten nicht beantwortet werden. Wir wehren uns dagegen, Teil eines riesigen Feldversuches zu sein, betonen die Demeter-Bauern.