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Dokumentation der Bauernsternfahrt - 29.05. bis 09.06.2011

Am 29. Mai setzten sich im Allgäu, in Ostfriesland und wenige Tage später auch in Hessen und in Mecklenburg-Vorpommern junge Bäuerinnen und Bauern der jungen Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (jAbL) sowie des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter Niedersachsen (BDM) zu einer Bauern-Sternfahrt nach Berlin in Bewegung, "auf dem Weg in eine bäuerliche Zukunft".

Sie fordern von der Bundesregierung, ihre Blockadehaltung zur Neuausrichtung der EU-Agrarpolitik aufzugeben zugunsten einer bäuerlichen, fairen, tiergerechten und ökologischen Landwirtschaftspolitik. Die Regierung darf nicht länger Interessensvertretung von Agrarindustrie und Großgrundbesitzern sein! Um diesen Botschaften Druck zu verleihen, treffen sich die Bäuerinnen und Bauern aus ganz Deutschland zum Ende der Sternfahrt am 09. Juni in Berlin - vorm Kanzleramt. Dort bitten sie die Bundeskanzlerin zum Tischgespräch. Die Bauernsterfahrt ist eine Aktion der Kampagne " Meine Landwirtschaft". 

Auf unserer Sternfahrt sammeln die Akteure die Forderungen der BäuerInnen und BürgerInnen in Form von Videobotschaften.

Die vier Routen im Überblick finden Sie hier.

Direkt zum Sternfahrer-blog!

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09-06, Bauernsternfahrt: Das Finale in Berlin vor dem Kanzleramt

Auswahl Medienberichte

Deutschlandweit bekannt Mitteldeutsche Zeitung

Sternfahrt der Ostallgäuer Bauern ende heute in Berlin RSA - Radio Der Allgäusender

Bauernsternfahrt endet vor dem Kanzleramt Agrarheute.com

Bäuerliche Sternfahrt erreicht Berlin Topagrar.com

Landwirte rufen Merkel zur Agrarwende auf Agrarzeitung.de

Bauerndemo vor dem Kanzleramt Berliner Kurier

Trecker-Sernfahrt endet in Berlin NDR

Bauernsternfahrt erreicht Bundeskanzleramt Politik-Express

"Angela, wir müssen reden" Neues Deutschland

Bilder der Abschlusskundgebung in Berlin

08-06, Mittwoch: Bauernsternfahrt

Ostfriesland - Berlin

Tagebucheintrag:

Von Johanna Böse-Hartje

Der letzte Tag on Tour  liegt vor uns. Wir wollen unsere Trecker heute bis nach Berlin bringen. Ziel ist die Domäne Dahlem. Danach treffen wir uns mit der Südroute in Deutsch Borg und freuen uns auf einen schönen Abend. Morgen früh geht es dann vors Kanzleramt. Ich hoffe, Morgen viele von Euch dort zu treffen. 

 

Allgäu - Berlin

Tagebucheintrag:

Der vorletzte Tag unserer erlebnisreichen Tour

Von Mühlberg fahren wir gut 2 Stunden bis Jessen, einem sachsenanhaltinischen Städtchen an der Schwarzen Elster. Ganz in der Nähe in Gerbisbach wird seit Jahren eine Schweinemastanlage geplant. Zwar ist das Bauvorhaben noch nicht abschließend genehmigt, aber es wurde inzwischen begonnen, das Fundament auszugraben. Wir treffen die Streiter der BI an dem besagten Grundstück und fahren mit 30 Fahrradfahrern und einem weiteren Schlepper nach Jessen zum Marktplatz. Die BI hat Infostände aufgestellt und erläutert den aktuellen Stand des Genehmigungsverfahrens und der Klage, die sie eingereicht haben. Mehrere Trommler unterstützen die Veranstaltung. Wam, Phillip, Nisandeh und (ganz neu dabei) Koko haben eine vegetarische Suppe gekocht und schenken sie aus. Auch unser Sternfahrer-Stand stößt auf Interesse.

Gegen 17 Uhr haben wir alle Materialen wieder verpackt und wir machen uns daran, die letzten Kilometer bis Berlin in Angriff zu nehmen. Ab hier spalten wir uns auf. Unser Schlepper mit Carla, der aktuellen Fahrerin, und Walter und Peter und ihrem Ersatz-PKW (Zur Erinnerung: Beide wollten eigentlich die Tour komplett vom Allgäu mit einem Schlepper begleiten, aber der ist leider kruz hinterm Auerberg kaputt gegangen) fahren gleich bis zur Domne Dahlem im Süd-Westen von Berlin. Dies ist für morgen der Startpunkt der Schlepperdemo durch Berlin. Wir anderen fahren zur Familie Rottstock in Deutsch Bork, um uns ordentlich auszuschlafen und gut auf den morgigen Tag vorzubereiten. Leider kann Matthias Stührwoldt heute abend nicht herkommen, dabei hatten wir uns schon sehr auf seine Kurzgeschichten gefreut. Stattdessen erzählen wir uns Anekdoten von den verschiedenen Routen.

Es wäre schön, wenn wir alle Blogleser morgen vor dem Kanzleramt oder später in den Prinzesinengärten treffen!  

07-06, Dienstag: Bauernsternfahrt

Auswahl Medienberichte

Protest in Leipzig gegen Massentierhaltung Lausitzer Rundschau

Bauernproteste in Üplingen und Weißenfels DNews.de

Bauern in der Großstadt: Sternfahrt für einen Systemwechsel Leipziger Internet-Zeitung

Ostfriesland - Berlin

Tagebucheintrag:

von Philip Brändle

Nach einem guten Abendessen und einer Nacht in einem wirklich schönen Haus haben wir uns heute morgen um 7:30 Uhr in Richtung Üplingen in Bewegung gesetzt, um den dortigen Gentechnik-Schaugarten zu besichtigen. Nach einer knappen Stunde fahrt sind wir in dann einem der zentralen Gentechnikstandorte in Deutschland angekommen. – die Veranstaltung konnte beginnen. Die Führung startete mit einer Personalkontrolle durch einen Privaten Sicherheitsdienst sowie dem Angeblich diverser Polizisten die sogar ein Räumfahrzeug bereitgestellt hatte. Nach dem ersten Beschnuppern konnte dann auch die Inhaltliche Auseinandersetzung beginnen. Denn die Diskussionen wurden bald wichtiger als das was uns die Verantwortliche Führereien (Kerstin Schmidt) mitteilen wollte. Letztlich können wir nur eines Festhalten: bei dem Gentechnik-Schaugarten in Üpplingen handelt es sich um eine reine Propagandaeinrichtung die durch skandalöse Behauptungen versucht die Bevölkerung hinters Licht zu führen.

Nach Beendigung der Führung gab es dann noch kurz ein bisschen Aufruhr. Einer unserer Trecker hatte sich vom Demozug abgesetzt um zurück nach Südhessen auf seinen Hof zu fahren. Bei Wachleuten und Polizei löste dieser Trecker allerdings große Aufregung aus. Anders können wir uns die panisch im Gentechnik-Schaugarten rumrennenden Wachleute nicht erklären. Es dauerte eine gute halbe Stunde bis wir die Polizei und die Wachleute wieder beruhigen konnten. Der Trecker war da schon über alle Berge. Am Abend hatten wir noch eine Diskussionsveranstaltung in Magdeburg die Themen waren Gentechnik, Bodenpolitik in Ostdeutschland und Massentierhaltung.

 Gute Nacht und bis Morgen! 

Rostock - Berlin

Tagebucheintrag:

Haßleben

Der BUND und die BI gegen die Schweinemastanlage in Haßleben haben eine gelungene Veranstaltung organisiert. Vor gut 30 Leuten konnten Thomas Volpers vom BUND, Sabine Niels von den Grünen im Landtag und Marcus Wewer für die Sternfahrer die Gründe gegen diese Anlage mit geplanten 65.000 Schweinen erklären.

Thomas Volpers gab einen Rückblick und Stand der Auseinandersetzung um diesen Standort. Seit 8 Jahren läuft das Genehmigungsverfahren und es ist noch keine Ende in Sicht. Damit konnte die BI sehr erfolgreich den Betrieb bislang verhindern und freut sich über die Unterstützung durch die Bauernsternfahrt. 

Warum die Bauernsternfahrt in Haßleben Station machte, erklärte Marcus Wewer. „Auf der Route nach Berlin wollen wir zum einen die Brennpunkte der agrarindustriellen Produktion besuchen um beispielhaft gegen diese Art der Tierhaltung zu demonstrieren und den Bürgerinitiativen vor Ort die Unterstützung der Bauern zuzusichern. Zum anderen besuchen wir auch Orte bäuerlicher Agrarkultur und vorbildlicher Kooperationen um Alternativen aufzuzeigen.“ 

Die Grünen in Brandenburg haben mit Sabine Niels eine kompetente Abgeordnete. In dem Buch der Landtagsfraktion „Umbrüche auf märkischem Sand“ befassen sich 18 Autorinnen und Autoren u.a. mit der Verteilung der Agrarsubventionen, mit dem Einsatz der Agro-Gentechnik und dem Bioenergie-Boom. Der Sammelband ist ein spannendes Buch über Agrargeschichte, Agrarpolitik, Zustand und Zukunft der ländlichen Entwicklung in Brandenburg. 

Auch Befürworter der Anlage haben sich versammelt um Ihrer Hoffnung auf Arbeitsplätze Ausdruck zu verleihen. Die Diskussion miteinander war besonnen. 

Sternfahrerin Sabrina Schmitt war froh, sich von der langen Strecke von Bollewick nach Haßleben etwas erholen zu können. Morgen wird ihre Schwester nach Berlin weiterfahren. Vielen Dank! 

 

Allgäu - Berlin

Tagebucheintrag:

Tiere halten, Tiere schlachten, Tiere essen 

Heute stehen die Tiere im Vordergrund des Tagesprogramms. Die örtliche BI Pro Weissenfels hat eine Fahrraddemo vom Schlachthof Tonnies im Ort runter zum Wochenmarkt angemeldet. Und so treffen wir uns alle dort, sprechen mit den ersten Pressevertretern und beobachten einige Schweinetransporter, die einfahren. Mehrere Polizeiautos stehen auch schon bereit und wir werden sogar gefilmt. Caroline und Georg halten jeweils eine kurze Rede und der BUND aus Magdeburg verteilt Trillerpfeifen an alle. Und so geht es los: vorne die Radfahrer und dahinter unser Sternfahrer-Schlepper. Laut pfeifend und hupend fahren wir durch die ganze Stadt. Auch das Youth Food Movement aus Halle ist dabei. Anschließend bauen wir auf dem Wochenmarkt einen Infostand auf und erklären den Anwohnern unser anliegen.

Zum Mittagessen haben wir uns mit dem Küchenbus am Mohnfeld zwischen Weissenfels und Leipzig verabredet. Wam, Phillip und Nisandeh haben ein feines Nudelgemüse gemacht. Und Walter öffnet seinen Pappkarton, den er in Weissenfels besorgt hat: eine Sahnetorte mit Marzipan und Schokoüberzug.

Bis Mühlberg an der Elbe müssen wir dann noch ein Stückchen fahren. Zuerst über eine stark befahrene Bundesstraße und wir müssen ein paar mal am Rand anhalten, um die Autoschlange hinter uns vorbei zu lassen. Später biegen wir zum Glück ab und fahren gemütlich über die kleinen Landstraßen. In Mühlberg fahren wir vor dem Kloster vor und essen noch schnell die Reste vom Mittag. Dann gehen wir rein in den Seminarraum: Wir Sternfahrer hatten Anwohner und Bauern eingeladen, um über die geplante Geflügelmastanlage in der Nähe zu diskutieren. Viele sind gekommen und wir müssen noch Stühle nachstellen. Schnell wird ein verbaler Graben zwischen Bauern und Anwohnern/Verbrauchern aufgerissen. Aber in der weiteren Diskussion wird deutlich, dass alle eine Landwirtschaft wollen, die gesunde Produkte erzeugt und die davon ein angemessenes Einkommen erwirtschaftet. Sicher konnte an dem Abend keine endgültige Lösung gefunden werden, aber es gab einen regen Austausch und wir hoffen, dass dieser weitergeführt wird. 

06-06, Montag: Bauernsternfahrt

Auswahl Medienberichte:

Proteste gegen Massentierhaltung Mitteldeutsche Zeitung

Landwirte protestieren in Leipzig gegen Massentierhaltung Leipziger Volkszeitung

Proteste gegen Massentierhaltung in Leipzig BILD.de

Ostfriesland - Berlin

Tagebucheintrag:

Es schreibt Melanie Ball

Nach einem mächtigen Gewitter in der Nacht – die Blitze waren von der Anhöhe, auf der der Lindenhof liegt, toll zu beobachten – war es morgens deutlich abgekühlt, so dass nicht wie abends im Garten, sondern am großzügigen Esstisch im Haus gefrühstückt wurde: Backfrische Brötchen und Baguettes aus der hofeigenen Bäckerei, die wir uns abends noch ankucken konnten!
Punkt 9 Uhr ging es also mit den neuen Fahrern und Mitfahrern aus Ostfriesland weiter zurück nach Braunschweig, wo an der nächsten Tankstelle erstmal getankt und Wasserbälle gekauft wurden. Um 11 Uhr parkten wir für eine Kundgebung auf dem Schlossplatz, wo wir schon von Heiner Schrobsdorff und der Initiative für eine gentechnikfreie Region Braunschweiger Land erwartet wurden. Zwar war der Platz nicht so zentral gelegen, doch es kamen viele Einkäufer vorbei, die i.d.R. auch offen für unsere Flyer waren und unseren Anliegen zustimmten. 

Anschließend bewegte sich der Demozug, der jetzt auch von einigen Fahrrädern und den Fahrern der Westroute flankiert wurde, weiter zum Landesamt für Geoinformation und Landesentwicklung Niedersachsen, welches u.a. zuständig ist für die Verpachtung von Stiftungsgelände. Die gentechnischen Freisetzungsversuche, die verstärkt im Raum Braunschweig unternommen wurden, fanden nämlich auch auf dem Pachtgelände der Braunschweigstiftung statt, die aus kirchlichem Besitz hervorgegangen ist und z.B. Behindertenwerkstätten betreibt. Dies erläuterte uns Herr Rosenthal.

Schnell ging es weiter zum Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit/ von-Thünen-Institut, welches über mit Stacheldraht eingezäunte eigene Versuchsfelder verfügt (dieses Jahr nicht mit GVO bepflanzt). Nach konstantem Bitten Annemaries gewährten der Pressesprecher, eine Vertreterin des BVL und der Wissenschaftler Tebbe unserer Gruppe Einlass und stellten sich unseren Fragen. (Sogar Feldbefreier Jörg Bergstedt wurde reingelassen!) Insgesamt wurde es ein interessantes und sachlich geführtes Gespräch, wobei sich Herr Tebbe zu Fragen der moralischen Verantwortung und finanziellen Entschädigung von betroffenen Bauern auf seinen Standpunkt als Wissenschaftler zurückzog: 

Er treffe ja keine politischen Entscheidungen, sondern forsche nur nach negativen Auswirkungen der GVO auf die Biodiversität. Die Frage, ob ein Biodiversitätsforscher sich überhaupt auf die Risikotechnologie Gentechnik einlassen müsse, deren Produkte mehr als alles andere Monokulturen schaffen, stellte er sich offenbar nicht. Auch spielte er seine Rolle als Lobbyist/ Miteintscheider herunter und versuchte sich so aus der verantwortung zu ziehen. Immerhin gab er Auskunft über die Finanzlage seines Projektes: 200.000 Euro an Steuergeldern hätte es für die 3 Jahre bekommen.
Nach einer dringenden Erfrischung mit Getränken und Keksen – es war um die 30°C heiß und vorm Institut gab es praktisch keinen Schatten - steuerten wir unser Nachtquartier bei Lisa in Wobeck an. Wieder wurden wir sehr herzlich und mit gutem Essen empfangen im Innenhof einer selbst umgebauten ehemaligen Schmiede mit unzähligen Schlafzimmern, die Lisa und ihre Mutter mittlerweile allein bewohnen: Das Gebäude wird auch für Seminare genutzt. Als jeder einen Schlafplatz bekommen und von den Kirschen aus dem riesigen Garten probiert hatte, ging es weiter zur Abendveranstaltung dieses Tages nach Schöningen.
Wieder fuhren wir mit 6 Schleppern durch schmale Fachwerkhausstraßen und hielten vor dem Schloss: Darin ist das Jugendzentrum untergebracht. 

Unter der Moderation von Annemarie Volling erläuterten Heiner Schrobsdorff (Imker und Kräuterbauer aus der Region), Andreas Riekeberg (Initiative für eine gentechnikfreie Region Braunschweiger Land), Benjamin Volz (Witzenhäuser Agrarstudierende gegen Gentechnik) und Jörg Bergstedt (Autor von „Monsanto auf Deutsch“) die Probleme der grünen Gentechnik. Anschließend wurde mit den Besuchern diskutiert, wobei sich alle einig waren: Wir brauchen die Gentechnik ebensowenig wie die Atomkraft – sie birgt u.U. noch größere Risiken, dient den gleichen Interessen (Macht/ Geld) und ist, einmal eingeführt, nicht mehr zu beseitigen. Insbesondere die Bauern, aber auch die Verbraucher, brauchen mehr Schutz vor den bereits freigesetzten GVO und eine weitere Einführung von genmanipulierten Pflanzen muss verhindert werden!

Gutenacht.

-Zwischenkommentar-

Gisela Webs, Milchbäuerin aus Quickborn (Wendland) erzählt vom Alltag eines Milchviehbetriebs während des Castortransports – der Ausnahmezustand beginnt 2 Wochen vorher:

„Letztes Mal haben sie dann die Straße komplett dichtgemacht, ne. Da standen Hamburger Gitter vor jeder Hofeinfahrt, vorne und hinten. Die haben gesagt: Diesmal kommen sie hier nicht durch. Wir schaffens ja immer irgendwie, ne, fahren über die Höfe und alle Schleichwege. Und vor jede Einfahrt einen Polizisten gestellt, du kamst da nur rein mit Ausweiskontrolle und so. Wenn ich mitm Trecker wegfahren musste, dann immer nur einer zur Zeit und der Polizist saß hier, neben einem! 

Da hatten wir dann einen Morgen nen Platten am Hänger aufm Feld und sind nach Hause, wollten mitm Wagenheber wieder zurück- hält uns die Polizei an der Hofeinfahrt fest. Sagen, damit können Sie hier nicht wegfahren, der Wagenheber ist jetzt beschlagnahmt. Damit könnten Sie Schienen aushebeln. Ich sag, aber wir haben nen Platten am Hänger aufm Feld, wir müssen den Reifen wechseln! Nein, der Trecker musste an Ort und Stelle in der Hofeinfahrt polizeilich erfasst werden. Dann kam der Milchwagen! Ja, da hatten wir den Salat, die wollten den nicht durchlassen. Da hab ich gesagt: Ich fahr jetzt eben den Trecker 5Meter weiter, und wenn Sie mich anfassen, ich schlag zurück! -Und das war 2 Wochen VOR dem Transport, 2 Wochen vorher!!“

Südhessen - Berlin

Tagebucheintrag:

Braunschweig

Schon früh am Morgen sind wir aufgebrochen um uns Richtung Braunschweig in Bewegung zu setzten, wo wir uns mit der Nordroute treffen wollten. Ein örtlicher Bauer hat uns das erste Stück begleitet um uns den besten Weg in Richtung Braunschweig zu zeigen. Gegen 12 Uhr sind wir dann auf dem Schlossplatz in Braunschweig angekommen. Empfangen wurden wir von einer Eindrucksvollen Nordroute und vielen gut gelaunten Leuten. Den weiteren Tag haben wir uns mit dem Thema Gentechnik auseinander gesetzt. Sowohl beim BVL als auch Abends in Schöningen gab es interessante Diskussionen und Gespräche. Und auch Morgen geht es wieder um Gentechnik. Ab in den Schaugarten Üpplingen. 

Rostock - Berlin

Tagebucheintrag:

Bollewick

In Bollewick bei Röbel an der Müritz trafen sich Bauern aus der Region und die BI Müritzregion gentechnikfrei.

Es ging vor allem über die inhaltliche Ausrichtung der Bauernsternfahrt und warum in Mecklenburg die Landwirte nicht so einfach zu motivieren sind. Es gibt inhaltlich Differenzen die zu diskutieren sind. Weitere Treffen und Gespräche zwischen BDM und AbL wurden vereinbart.

Seitens Thönes wollen wir Veranstaltungen zum Thema Klimaschutz und Tierhaltung anbieten, z.B. mit Anita Idel und Ihrem Buch: Die Kuh ist keine Klimakillerin. Wir wollen damit die öffentliche Diskussion über Tierhaltung und Fleischkonsum bereichern und der veganen Keule paroli bieten.

Der Bollewicker Bürgermeister Meyer stellte den Weg zur energieautarken Gemeinde vor. In Bollewick gibt es eine bestehende Biogasanlage, eine kurz vor der in Betriebnahme und eine vor Grundsteinlegung. Mit der Energie und der Abwärme wird die Gemeinde keine Energie mehr einkaufen müssen, sondern gehört zu den Energieanbietern. Auch die Photovoltaikanlagen der Gemeinde bringen dem Gemeindehaushalt bereits Einnahmen.

Gemeinde und Bauern wehren sich gegen die geplante Streichung des „Güllezuschlags“ für Biogasanlagen, weil dieser die bäuerliche Energieerzeugung fördert. Nun kommen die großen Energiekonzerne, bauen riesige Anlagen und kaufen das Land auf. Dieser Weg der Energiewende ist nicht nachhaltig und bringt neue ökologische und soziale Verwerfungen. 

Allgäu - Berlin

Tagebucheintrag:

Bauerntafel und Bauerntafel

An diesem Morgen feiern wir den Geburtstag unseres allerliebsten Geburtstags-“kindes“ Walter. Ein Sternfahrer von stolzen 78 Jahren! Im Trubel von kaputtem Schlepper und Heuernte kommen wir leider nicht mehr dazu ihm eine gebührende Geburtstagstorte zu backen. Trotzdem wird mit Geburtstagslied und Tischrede in den Tag gestartet und Walter scheint ganz gerührt.

Unsere zweite Aufgabe an diesem Tag ist es, einen Landmaschinenhändler zu finden, der einen Kühler für unseren kleinen Steyr auf Lager hat. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Georg telefoniert seit 7 Uhr morgens alle in Frage kommenden Werkstätten ab, bekommt jedoch außer einem höhnischen „So einen gibt es noch?“ wenig Hilfe. Eine kleine Werkstatt direkt auf unserem Weg verspricht sich das Ganze nochmal anzuschauen. Und siehe da: Unter Vollgas spuckt plötzlich der Schlauch vom Kühler zum Motor Wasser. All die Stops und all das Warten der letzten Tage sind nun in 20 Minuten, ohne neuen Kühler, nur mit einem Stück Schlauch der Marke „Belarus“ behoben!!

Weiter nach Leipzig. Unterstützt vom Biohof Bohne, den Ökolöwen und bekocht von Wam und Helfern richten wir auf dem Augustusplatz in sengender Hitze eine Bauerntafel aus. Musikalisch begleitet von Paul Neuf wird es zu einem geselligen Mittagstisch. Anschließend begeben wir uns mit einer Truppe von Erstklässlern auf Stadtrundfahrt und im Gegenzug kommen wir in den Genuss einer Führung durch ihren Erlebnisgarten..

Die nächste Station ist Weißenfels. Dort ist uns von der „Youth Food Movement“ und der BI pro Weißenfels eine Festtafel bereitet. In der ansonsten menschenleeren Stadt, nur von Polizei und Überbleibseln der Montagsdemo beachtet, gibt es Bier, Tomatensuppe und allerlei andere Leckereien.

Die Nacht verbringen wir in einem Schloss, wie es sich für Sternfahrer gebührt. So langsam spüren aber alle die Tour in ihren Knochen und es ist gut, dass immer neue Leute unsere Mannschaft ergänzen. 

05-06, Sonntag: Bauernsternfahrt

Auswahl Medienberichte:

Bauerndemo ging an Schleiz vorbei Schleiz.OTZ.de

Ostfriesland - Berlin

Tagebucheintrag:

von Johanna Böse-Hartje

Heute hatten wir wieder einen langen Fahrtag zu absolvieren, von Quickborn nach Salzgitter, Schacht Konrad war unser Ziel.

Hier wartete schon die Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad auf uns. Uns kamen schon diversen Treckern und Autos entgegen. Die flatternden Anti-Atom-Fahnen an den Fahrzeugen bereiteten uns einen guten Empfang.

Zusammen fuhren wir zum Schacht Konrad.

Im Schacht Konrad sollen 95% des deutschen Atommülls eingelagert werden. Die Genehmigung ist erteilt, obwohl jeder weiß wie das enden wird….siehe Asse.

Denn alles was passieren kann, wird auch passieren. Man muss sich von den Begriff „Atommüll Entsorgung“ grundsätzlich trennen – um Atommüll muss man sich weitere Millionen Jahre sorgen.

Die Botschaft der Schacht Konrad Gegner lautet: Hört auf, weiteren Atommüll zu produzieren, ihr wisst schon nicht, wohin mit dem Alten!!!!!

Bei Kaffe und Kuchen, im Schatten einer mächtigen Kastanie, tauschten wir uns aus und kamen wieder einmal gemeinsam zu dem Schluss: wir haben es satt!!!

Heute Abend geht es dann weiter nach Kneitlingen, wie wir hörten, soll hier ein netter Grillabend auf uns warten.—-und sicherlich auch ein Bier.

-Zwischenkommentar-

Gisela Webs, Milchbäuerin aus Quickborn (Wendland) erzählt von den Anfängen der Protestbewegung:

„Wir sollten ja nicht nur ein Endlager hier bekommen, die wollten ja alles mögliche bauen- 3 AKW, Wiederaufbereitungsanlage- wir waren hier ja an der Zonengrenze, ganz abseits gelegen. Und die Konzerne haben dann immer schöne Fahrten gemacht, haben die Bauern eingeladen- da gings nach Belgien, Frankreich, und immer alles bezahlt, ne! Haben die uns La Hague gezeigt und so, natürlich über Paris gefahren mit Übernachtung in tollen Hotels, großes Büffee und immer gut zu trinken, ne- alles von denen bezahlt. 

Ich war damals ja erst 20, da bin ich auch mitgefahren. Und einen Abend, da hab ich mal nix getrunken. Und hab zugehört, was die da eigentlich erzählt haben. Da bekam ich aber große Ohren! Da hat mir einer dann erzählt- der war ja auch betrunken- was die wirklich vorhaben. Bauern braucht ihr in 20 Jahren nicht mehr sein, hat er gesagt, die kommen da alle weg! Ja, da ging das dann los.“

„[...] Und wir waren ja Einzugsgebiet, sowohl von Hamburg: 2 Stunden, als auch von Berlin: 2 Stunden. Die fuhren ja immer hier durch. Und irgendwann kamen die Künstler und immer mehr sind auch hier sesshaft geworden, und die haben sich damit genauer aus’nandergesetzt und uns Bauern dann erstmal richtig aufgeklärt- haben uns erklärt, was da eigentlich läuft.“ 

Allgäu - Berlin

Tagebucheintrag:

Nur noch 190 km Autobahnstrecke bis Berlin – Frau Merkel wir kommen

Für heute ist die Abfahrt erst für 11 Uhr angesetzt und so genießen wir ein ausgiebiges Frühstück unter Probstens Hofbäumen. Zum Abschluss drehen wir auch eine Runde auf den Spielzeug-Treckern, die sonst für die Hofladenkunden und deren Kinder gedacht sind. Dann geht es weiter und zum ersten Mal fahre ich (Julia) unseren Schlepper. Dank Bigi, die schon seit dem Auerberg fast immer vorher fährt und den Weg anzeigt, kommen wir auch problemlos durch Dresden. Erst hinter Radeberg wird es problematisch: Der Motor fängt an ganz laut zu klopfen und es dampft und qualmt. Wir überlegen hin und her, was das Problem sein könnte, bis Wam mit einem Kochlöffel den Kühlwasserbehälter öffnet – es ist so gut wie kein Kühlwasser mehr drin. Wir füllen den Tank mit Sprudel und warten ein bißchen, bis der Motor abkühlt. Dann können wir zum Glück weiterfahren und der Motor klingt wieder normal. 

Nach kurzer Zeit kommen uns drei sächsische Jungbauern auf zwei Schleppern entgegen und begleiten uns nach Leppersorf. Ein Oldtimer-Schlepper, ein Auto und ein Motorrad schließen sich dem Treck an. An der Molkerei angekommen stehen schon Polizei und Wachschutz bereit und lassen uns nicht bis zur Werkseinfahrt vorfahren. So stellen wir uns mit unseren Plakaten auf dem Parkplatz auf und erklären einem Journalisten, warum wir da sind. Und dann kommen noch zwei Autos mit BDMlern aus Bayern (eines ist sogar aus dem Allgäu!!) auf den Parkplatz und gesellen sich zu unserem Grüppchen. Lucia Egner und Fritz Wienert sprechen vor der Molkerei-Kulisse ihre Botschaft für Frau Merkel auf unser Videoband.

Inzwischen haben wir einen Mechaniker gefunden, der sich unseren Schlepper nochmal anschaut. Der Kühlwassertank ist schon wieder deutliche leerer. Polizei, Wachschutz und Molkereimanager wundern sich in der Zwischenzeit, was wir so lange auf ihrem Parkplatz treiben. Der Mechaniker meint, wir können weiterfahren ohne etwas kapput zu machen, aber wir müssen wohl regelmäßig Kühlwasser nachfüllen. Genau das machen wir und kommen so heil bis Grottewitz bei Leipzig. Morgen werden wir versuchen, die Kühlung in einer Werkstatt reparieren zu lassen.

In Grottewitz werden noch schnell die Heuballen in die Scheune gefahren, denn es ist Regen und Gewitter angesagt. Derweil kocht Wam und seine wechselnde Küchen-Crew unser Abendessen. Der Himmel zieht sich später auch zu, aber bis jetzt hat es nur ein bißchen getropft. Zum Glück, denn wir sitzen alle zusammen im Hof und essen Reis mit Gemüse und Rote-Beet-Salat. 

Südhessen - Berlin

Tagebucheintrag:

Landolfshausen

Heute Morgen sind wir nach einem guten Frühstück um 11 Uhr in Witzenhausen gestartet. Wie schon in den letzten Tagen, hat es auch heute nicht lange gedauert bis sich weitere Bauern mit ihren Treckern zu uns gesellten. Allerdings sind wir heute nicht alle die gleiche Strecke gefahren. Drei von uns haben sich für eine unangemeldete Spontan-Demo durch Göttingen entschieden, um unseren Protest auch in die Stadt zu tragen. Nach Göttingen haben wir uns  dann wieder mit den drei „Ausreißern“ getroffen und sind zu zehnt nach Landolfshausen eingefahren.

Nach diversen Presseanfragen gab es ab 15 Uhr eine sehr, sehr gut besuchte (ca. 100 Menschen) Podiumsdiskussion zum Thema: „Wer produziert das Essen von morgen oder: brauchen wir Bauern überhaupt noch“. Auf der Veranstaltung hatten es die anwesenden PolitikerInnen nicht leicht, da viele Bäuerinnen und Bauern ihre verschiedenen Meinungen deutlich kundtaten. Nach der Diskussion gab es ein vielseitiges Buffet mit Produkten aus der Region die auf Spendenbasis herausgegeben wurden. Nach der Stärkung gab es noch zwei Vorträge zu Entwicklungspolitik und Massentierhaltung. Für morgen haben sich schon weitere Bauern angekündigt die uns nach Braunschweig begleiten wollen – ein super Tag!! 

4-06, Bauernersternfahrt

Auswahl Medienberichte:

Helmstedt: Podiumsdiskussion in Schöningen Newsklick.de

Bauern beginnen Trecker-Sternfahrt nach Berlin DNews.de

Sternfahrt der Landwirte: Mit dem Trecker nach Berlin Nordwest-Zeitung

Allgäu - Berlin

Tagebucheintrag:

Die Bauern-Sternfahrt mischt den Kirchentag auf

Noch am Freitagabend, als alle wieder in Podemus sind und der kommende Tag besprochen wurde, geben uns Peter Probst und sein Vater Manfred eine Hofführung. Als Manfred Probst 14/15 Jahre alt war, hat seine Familie das Vorwerk Podemus verlassen, um der Zwangskollektivierung in der DDR zu entgehen. Die Familie Probst konnte im Westen keine eigene neue Landwirtschaft aufbauen, aber dem Berufsfeld sind sie treu geblieben. Gleich nach der Wende hat sich Manfred Probst intensiv darum bemüht, den alten Familienbesitz zurückzubekommen und dort wieder zu wirtschaften. 1992/93 konnte er seine Familie dazuholen, da war Peter Probst 8 Jahre alt. Seitdem wirtschaften sie dort ökologisch und renovieren Stück für Stück den 3-Seiten-Hof. Peter und seine zwei Brüder haben sich auch für die Landwirtschaft entschieden und helfen tatkräftig.Inzwischen habe sie sogar eine eigene Schlachterei, die den größten Teil der sächsischen Bioschweine verarbeitet. 

Zwar ist der Weg vom Vorwerk Podemus bis in die Dresdener Innenstadt nicht weit, doch wir sind wieder um 9 Uhr mit dem Schlepper unterwegs. Wir haben gestern abend beschlossen, nicht auf den Münchener Platz zu fahren, weil er so abgelegen ist und sich kaum ein Kirchetags-Besucher dorthin verirrt. Und so steuern wir direkt die TU an, wo vershiedene Vorträge stattfinden – auch eine handvoll zur Landwirtschaft. Da wir der einzige Stand hier sind, haben wir groß unseren Shlepper aufgestellt mit Infostand, Lautiwagen, Küche und Banner-Malwerkstatt. Auch die Collage der Kinder aus Langenau haben wir ausgelegt.

Die Sonne brutzelt uns ganz schön durch, denn wir haben kaum Schatten. Aber es strömen einige Leute vorbei und am Stand entstehen kleine Gesprächsrunden. Gegen Mittag machen wir unsere geplante Kundgebung auf einem vollen Vorplatz. Carla, unsere jAbLerin aus Dresden, hat noch ein paar Freunde mitgebracht und mit denen malen wir für morgen für die Aktion vor der Molkerei in Leppersdorf noch schöne Sprüche auf alte Laken. David hat in einer großen Holzbox vor der TU ein kleines Fimstudio aufgebaut. Damit fängt er ganz viele Botschaften von den Passanten auf.

Jetzt, ab15 Uhr, wird es deutlich ruhiger und auch die Sonne verschwindet immer wieder hinter Wolken, so dass die Temperatur angenehmer wird. Die jungen Helfer des Kirchtages klimpern dazu auf der Gitarre. 

Milchdumping-Aktion am Altmarkt

Gegen 18 Uhr sammeln wir an der TU unseren Kram zusammen und beschließen, die Milch-Dumping-Aktion der jAbL, die wir unter anderem schon im Januar in Berlin gezeigt haben, erneut auf dem Dresdener Altmarkt aufzuführen. Dort hat der MDR eine große Bühne aufgebaut und ringsum sitzen und stehen viele Menschen. Wir klettern alle auf unseren Hänger, fahren kurz durch die Stadt und stellen uns an den Rand des Platzes, so dass wir keine sitzenden Menschen überfahren aber gleichzeitig gut gesehen werden. In verkleinerter Version beginnen wir unser Schauspiel die „EU“ verteilt Milchpulver über den Entwicklungsländern Kamerun, Ghana und Mexiko, während die „Entwicklungsländer“ Info-Flyer zum Milch-Dumping an die Menschen verteilen. So ziehen wir einmal um den Platz. Viele Leute sind interessiert und einige fragen sogar direkt bei uns nach den Flyern. Auf der Bühne spielt gerade eine Roma-Band und wir haben viel Spaß. Spät abends fahren wir wieder raus nach Podemus und können zum ersten Mal richtig lange ausschlafen.  

Rostock - Berlin

Tagebucheintrag:

Rostock, Sagerheide, Rukieten

Auftakt in Rostock für die Nordostroute der Bauernsternfahrt zum Bundeskanzleramt nach Berlin

Gegen 9:00 Uhr sammelten sich die ersten Trecker, die Banner wurden gehisst, die Lautsprecheranlage installiert. Es war ein strahlender Morgen und die Sonne wärmte uns den Rücken. Der Platz füllte sich mit Fahrrad-Sternfahrern, interessierten und neugierigen Passanten.

 Annemarie Volling von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) machte den Auftakt und die Moderation.

Erster Redner war Marcus Wewer von Thönes Natur in Bollewick, dem Initiator der Rostocker Route. Nach dem großen Erfolg der „Wir haben es satt“-Demo zur Grünen Woche im Januar in Berlin war klar, dass es auch eine Route aus Mecklenburg-Vorpommern zur Sternfahrt geben muss. Die ostdeutschen Bauern müssen sich einmischen und Flagge gegen Industrialisierung, Gentechnik und Massentierhaltung in Agrarfabriken zeigen. Eine artgerechte Tierhaltung und gentechnikfreie Landwirtschaft ist Bedingung für gesunde Tiere und Lebensmittel wie auch für zufriedene Bauern und Verbraucher.

Danach berichtete Jörg Gerke (AbL) von den Auswirkungen der ungerechten Bodenpolitik auf die ostdeutsche Landwirtschaft und der daraus resultierenden Industrialisierung.

Heike Irmer von der Bürgerinitiative „Rettet das Landleben im Tollensetal“ berichtete von der harten Arbeit der Bürgerinitiativen gegen Mastanlagen und von dem langen Atem, der gebraucht wird um immer wieder weiter zu kämpfen. Ganz aktuell konnte Sie berichten, dass in der Samstag-Ausgabe die Zeitung berichtete, dass die behördlichen Auflagen für den Mastanlagenbau einen vorläufigen Baustopp erwirken konnten.

Die grüne Kandidatin zur Landtagswahl im September Ursel Karlowski stellt die Programmatik ihrer Partei zu Landwirtschaft und Naturschutz vor.

Ulrike Lange vom Verein soziale Bildung e.V. schwenkte zum Thema Gentechnik und ihre schwierige Arbeit an der Universität Rostock, auch mal kritische Töne zur Gentechnik in dieser Institution verlauten zu lassen.

Jörg Bergstedt von der Projektwerkstatt Gießen klärte über die Verflechtungen in Mecklenburg-Vorpommern zwischen Politik und dem Hochschul-Standort Rostock im Zusammenhang mit den gentechnischen Uni-Versuchsfeldern auf.

Gegen 11:30 Uhr starteten wir in die Sagerheide, zu den gentechnischen Freisetzungsversuchen der Uni Rostock. Angeführt von einer Fahrradtruppe folgten drei Schlepper, der Lieferwagen von Thönes Natur und ein Auto!

Familie Strauß hat ihr Haus direkt an den Gentechnik-Versuchsflächen. Sie und Jörg Bergstedt zeigten uns die „Spielwiese“ der Gentechnik-Industrie. Mitten auf dem Acker ein Wachmann und ein Trecker, umgeben von einigen Gewächshäusern aus Pollennetzen. Hier wird, soweit bekannt GVO-Weizen, -Kartoffeln, -Zuckerrüben und –Mais angebaut. Der Mais scheint noch nicht aufgegangen zu sein, jedenfalls ist er nicht sichtbar. Angekündigt waren Tabak und Petunien – auch hiervon keine Spur. Mecklenburg-Vorpommern stellt sich nach außen gerne als „Gesundheitsland Nr 1? dar, aber hinter den Kulissen verteilen sie massiv Förderungen an die Gentechnik-Forschung. Die Straußens waren sehr glücklich, dass die Bauernsternfahrt bei ihnen Station gemacht hat, und bewirteten uns nach der Besichtigung in ihrem Garten.

Abends gab es in Rukieten, auf dem Hof von Jörg Gerke, noch eine Veranstaltung mit dem Schwerpunkt zur ostdeutschen Bodenpolitik. Die agrarindustriellen Strukturen im Osten sind politisch so gewollt und  massiv befördert worden und stellen die Grundlage für Massentierhaltungsanlagen und die Agro-Gentechnik.

Familie Kröger von der Bürgerinitiative „Rettet das Landleben im Tollensetal“ zeigte auf, wie wichtig der Widerstand ist, weil die Konzerne alles versuchen, ihre Anlagen durchzudrücken.

Jörg Bergstedt zeigte detailliert die Zusammenhänge zwischen Politik, Industrie und der so genannten „freien“ Forschung der Uni Rostock, aber auch von Funktionären des Bauernverbandes und der „freien“ Medienlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern auf. Er berichtete von aktiven Widerstandsformen gegen Gentechnik auf dem Acker und dem erfolgreichen Widerstand gegen die Amflora-Kartoffel im Landkreis Müritz.

Ein spannender Auftakt-Tag geht zu Ende. Auch in Mecklenburg-Vorpommern zeigen die Bäuerinnen und Bauern ihren Unmut gegen die deutsche und europäische Landwirtschaftspolitik, aber auch Till Backhaus, dem MV-Landwirtschaftsminister, dass die Förderung der Agrarindustrie und Gentechnik gegen die Interessen der im Lande aktiven Landwirte steht. Der Ausverkauf der Flächen an Investoren bedeutet auch einen Ausverkauf der Wertschöpfung und damit hohe Steueraufkommenverluste für das Land. 

Ostfriesland - Berlin

Tagebucheintrag:

Auch heute hielten wir uns  im Wendland auf, unter der Obhut von Gisela Webs und Martin Schulz.  Unser Zug hatte sich mächtig vergrößert, die Wendland - Bauern reiten sich bei uns ein. Wir waren mit 14 Treckern und diversen Begleitautos unterwegs.

Unsere Bauernsternfahrt hatte heute Gorleben zum Ziel. Wir fuhren am Zwischenlager der Castoren vorbei. Dieses Zwischenlager wird im wendländischen Sprachgebrauch als Kartoffelhalle mit Lüftungsschlitzen bezeichnet.

Unsere Kundgebung fand dann im nahe gelegenen Salzstock statt. Hier werden seit 30 Jahren Fakten geschaffen. Der Ausbau zum Endlager schreitet unaufhörlich voran, bis zu 90% sollen schon fertig gestellt sein.

Martin Schulz stellte die Entwicklung der bäuerlichen Notgemeinschaft dar. Dadurch, dass die Bauern seit dreißig Jahren im Widerstand sind, mal mit mehr, mal mit weniger Bürgerunterstützung, geriet das Thema nie in Vergessenheit und konnte jetzt, nach dem Ausstieg aus dem Ausstieg, mit riesiger Bürgerbeteiligung  zu neuem Schwung aufholen. Er sagte, Gorleben ist als Endlager ungeeignet. Die Asse ist eindeutiger Beweis dafür, hier ist die unversehrte Einlagerung von Atomfässern keine 25 Jahre gut gegangen. Die Redner waren sich darüber einig, das es Menschen verachtend sei, täglich neuen Atommüll zu produzieren, ohne auch nur annährend zu wissen wohin mit dem Millionen Jahre strahlenden Müll. Dennoch und trotzdem, so Rebecca Harm, sind wir schon in Sachzwängen gefangen.  Bei sofortiger Abschaltung müssten wir vermehrt mit Kohlekraftwerken Strom erzeugen und die CO ² Belastung erhöhen, bzw. vermehrt aus ausländischen AKWs Strom kaufen, um hier wieder den Atommüll zu mehren.  

Claudia Sültemeyer von der bäuerlichen Notgemeinschaft erzählte uns über die Entstehung der Notgemeinschaft. Auch hier hat der Bauernverband nicht die Belange der Bauern vertreten, sodass sie ihren Widerstand selber in die Hand nehmen mussten.

In den ersten Jahren wurden sie sehr belächelt, aber die Bevölkerung ist zunehmend aufgewacht. Mittlerweile werden sie aber auch von der Politik gehört.

Kerstin Rudeck von der ansässigen Bürgerinitiative gegen Castortransporte sagte ganz deutlich, dass sich Gorleben als Endlagerstandort nicht eignet.

 Das hat unter anderem sogar eine Studie ergeben, die Minister Rötgen in Auftrag gab. Sie wird leider noch unter Verschluss gehalten.

Die Forderung lautet darum:“ Gorleben muss aus dem Topf der möglichen Endlagerstandorte heraus. Gorleben gehört auf den Nuclearmisthaufen der Geschichte.“

Diese Botschaft haben wir vernommen und werden sie mit nach Berlin tragen.

Der Rest des Tages galt der kulturellen Landpartie und der Erholung.

Morgen geht es weiter nach Salzgitter zum Schacht Konrad. 

Südhessen - Berlin

Tagebucheintrag:

Großstadt Kassel, CSA Escherode und Witzenhausen 

Nach dem Abschied in Usseln gings immer geradeaus nach Kassel, wo in Harleshausen schon Heiner mit seinem alten Fiat wartete. Schnell wurd der noch geschmücktund dann fuhren wir zum Königsplatz mitten in der Kasseler Innenstadt. Die Anlage hat funktioniert, sodass auch die Menschen zuhören konnten, die zufällig in einigem Abstand an unserem Markt der Initiativen vorbeikamen.

Danach haben wir noch Unterstützung aus Nentershausen bekommen und einen kurzen Abstecher zur Solidarischen Landwirtschaft (klingt besser als CSA) in Escherode gemacht, wo es Kaffe und uchen und eine so spannende Führung gab, dass wir uns dem Weg nach Witzenhausen durch die Serpentinen des Kaufunger Waldes ein wenig sputen mussten.

In Witzenhausen kamen wir dann mit vier Schleppern und wurden von den geduldig wartenden Menschen auf dem Marktplatz begrüßt. Dort war es richtig gemütlich und es gab gute Ansprachen von lokalen Akteuren und heiße Samba-Rythmen passend zum (gefühlt) heißesten Tag dieses Jahr 

03-06, Freitag: Bauernsternfahrt

Auswahl Medienberichte:

Bauernsternfahrt mit 20 Traktoren Gießener Allgemeine

Beifall für Agrarfabrik-Gegner Kreiszeitung.de

Allgäu - Berlin

Auf dem Weg zum Kirchentag

Heute ist scheinbar ein entspannter Tag für Sternfahrer. Während die Nordwest-Route sich auf Landpartie begibt, ist unsere größte Aufgabe für heute ordentlich Strecke zu machen. Vom Kulturhof aus liegen 120 km vor uns. Durch die immer größer werdenden Felder Thüringens tuckern wir an diesem sonnigen Tag gemächlich vor die Tore Dresdens.Unser guter Walter legt wert darauf, dass sein Ersatzfahrzeug mit Viehanhänger endlich mehr gewürdigt wird: 

Um 16 Uhr erreicht der Schlepper das Vorweg Podemus. Zwischen tobenden Kindern und geschäftigem Treiben werden wir von Familie Probst herzlich empfangen. Ein Teil des Teams hat nun wirklich die Zeit zu verschnaufen und erforscht den vielseitigen Betrieb auf dem wir die nächsten zwei Nächte übernachten.

Währenddessen erkundet der Rest die Lage auf dem Kirchentag in Dresden. Später erstatten sie Bericht und es wird gemeinsam ausbaldovert, wie wir uns dort präsentieren wollen. Unter der Linde im Innenhof wird geplant. Wam erfreut uns zu jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit mit seiner neuen Partnerin – Miss Piggy.

Zitat des Tages: „Das Wetter im Frühjahr bestimmt den Ausgang der Schlacht“ 

Südhessen -  Berlin

Tagebucheintrag:

Über Gladenbach und Korbach zur Upländer Bauernmolkerei nach Usseln 

Nachdem Heidrun heute morgen noch den Schlepper mit ihrem Auto aus Gießen rausgelotst hat, ging es nach Gladenbach, wo zwei BDM-Bauern und ein Reporter wartete. Kurz danach stieß dann auch Stefan vom Birkenhof zum Track dazu. Dorch Biedenkopf durch fuhren wir zur Sackpfeife rauf, wo die beiden ersten Schlepper dann wieder zum Heu machen zurück mussten. Vorbei gings an  trockenen Wiesen und ganz vereinzelt auch mal einem Erbsen- oder Bohnenacker.

In Allendorf (Eder) nahmen uns dann Heinfried und drei weitere Schlepper in Empfang und wir fuhren nach Korbach auf den Kiliansmarkt. Dort trafen wir noch mehr Bauern wie zum Beispiel Otto, der mit Faironika im Schlepptau in Holzschuhen heut morgen Schon 45 km gelaufen ist und immer ein Gedicht zur fairen Milch parat hat. Auf der Kirmes haben wir dann etwas für Aufsehen gesorgt, was bei der Oldtimer-Rally, die gerade lief, gar nicht so einfach war.

Pünktlich zur Veranstaltung kamen wir dann in Usseln an, um nach einer kurzen Begrüßungs- und Stärkungspause im Garten der Upländer eine Andacht mit Pfarrerin Grundmann und ein paar Worte von Josef Jacobi zu hören. Im Anschluß sahen wir noch einen Film.

Zum Glück haben wir dann vorhin noch die Anlage getestet, die wir morgen das erste mal im Einsatz ist. Leider fehlen da noch ein paar Kabel, aber Kai will heut nacht vielleicht noch welche löten.

Der Fotoapperat liegt leider noch im MilchMUHseum, deshalb seht ihr nur das Foto aus Korbach von Andreas Hermann 

Ostfriesland - Berlin

Tag 6  der Bauernsternfahrt, Tagebucheintrag

von Johanna Böse-Hartje

Heute ging es von Schmöllau / Uelzen ab ins Wendland. Wir waren alle sehr gespannt, was uns hier erwartete. Hier sind die Bauern schon seit über 30 Jahren im Widerstand, und das nicht nur gegen die Atomenergie und das geplante Endlager.

Unsere langjährige Mitstreiterin, Gisela Webs, holte uns mit mehreren Traktoren ab.

Wir wandelten auf den Pfaden der kulturellen Landpartie.  Diese Landpartie ist aus der Widerstandsbewegung heraus geboren worden. Sie wurde von Künstlern der Region ins Leben gerufen. Die Intention bestand in der Unterstützung des bäuerlichen Widerstandes, um die positive Seite des Wendlandes zu zeigen.

Mit unserem Trecker-Treck erregten wir  viel Aufsehen und führten informative Gespräche. Wir trafen viele  Menschen, die uns in unseren Forderungen bestätigten.

Ein Besuch bei Adi Lampe war uns wichtig.. Er ist ein Urgestein des bäuerlichen Widerstandes, er kämpfte für das ureigenste Recht der Bauern, Nachbau zu betreiben und  führte etliche Prozesse. Er war die tragende Säule des Kampfes gegen den Castor.

Er freute sich, die jungen Sternfahrer – Bauern kennen zu lernen. Das sind diejenigen, die seine Arbeit weiterführen. Das Ehepaar Lampe machte ihnen Mut, nicht nachzulassen.

Den Abschluss des Tages bildete eine Veranstaltung in Quickborn. Hier trafen sich Bauern und Verbraucher.

Die Veranstaltung wurde gestaltet von: Gisela Webs, Martin Schulz, Georg Greß, Elisabeth Böse und Eckhard Niemand.

Die Schlussfolgerung des Abends lief darauf hinaus, dass Überschussproduktionen in Europa sowohl im Schweine-, wie im Geflügel- als auch im Milchmarkt weltweit das Ende der bäuerlichen Landwirtschaft bedeutet und damit den Hunger in die Welt trägt.

Morgen sind wir in Gorleben.

02-06, Donnerstag: Bauernsternfahrt Tag vier

Allgäu - Berlin

Tagebucheintrag:

Auf in den wilden Osten

Nicht weit hinter Neudorf hatten wir heute unseren ersten großen Schock: der Schlepper spuckt Öl. Wir also rauf auf die nächste Tankstelle und nachgeschaut. Leider sind wir alle keinen guten Mechaniker und daher etwas ratlos. Jetz fangen Jan, Jochen und Georg an wie wild zu telefonieren, um an Himmelfahrt einen Schlepper-Mechaniker und/oder einen neuen Schlepper für die restliche Strecke nach Berlin zu organisieren. Schließlich kommt ein technikversierter junger Mann und erklärt. „Alles nicht so schlimm.“ Es war nur zuviel Öl im Lenkgetriebe. Und so geht es dann doch in der ursprünglichen Formation weiter zum Thüringer Wald.

Mit zwei stunden Verspätung kommen wir im Kulturhof Zickra an und werden gleich mit einem Ständchen von vier Musikern begrüßt. Nach einem kurzen Kaffetrinken findet im Saal eine Infoveranstaltung zu Agrarpolitik und Hunger statt. Kerstin Lanje von Misereor berichtet unter anderem, wie Fleischreste – vor allem Hühner und Schweineteile, die Verbraucher in Europa nicht kaufen – tiefgefroren in afrikanische Länder exportiert werden. Dort werden sie billig verkauft und zerstören damit den Markt für die regionalen Viehhalter. Berit Thomsen von der AbL verdeutlicht anhand von Zahlen, wie die derzeitige EU-Agrarpolitik die bäuerliche Landwirtschaft bedroht und warum es so wichtig ist, in Berlin für einen Systemwechsel, wie ihn z.B. der EU-Agrarkommissar Ciolos in Ansätzen vorgeschlagen hat, zu kämpfen.

Damit ist das offizielle Programm für heute beendet und wir genießen den ruhigen Abend beim Bier auf der Terasse des Kulturhofs. 

Südhessen - Berlin

Tagebucheintrag:

Auf nach Gießen!

Heute morgen gings für Katharina los von Hohenstein nach Gießen, mit toller Unterstützung vom BDM. Insgesamt fuhren wir mit dann 16 Schleppern durch die Gießener Innenstadt. Am Bahnhof war der Start, wo kurz vor zwei noch eine Schlepper- Kolonne anrauschte. Simone hielt eine kurze Kundgebung vor der gentechnikfreundlichen Universität und schließlich kamen auf den Berliner Platz vor das Gießener Rathaus, wo es dann Infostände, Leckereien und die Abschlusskundgebungen gab.
Abends wurden dann in kleiner Runde die Themen Gentechnik und Milch im Kontext der EU-Agrarreform diskutiert mit Peter Hamel (AbL) und Stefan Mann (BDM) und auch mit der Gießener Bürgermeisterin. Katharina musste dann schnell den Zug nach Hause erwischen und morgen früh fährt Henrik weiter zur Upländer Bauernmolkerei. 

Ostfriesland - Berlin

Tagebucheintrag:

Der fünfte Tag…

Es schreibt: Johanna Böse-Hartje

Heute hatten wir ein volles Programm. Nach einem guten Frühstück startete das Programm der Bürgerinitiative.

Die Trecker vermehrten sich, die zweite Nordroute war in der Nacht aus Schleswig-Holstein gestartet und stieß zu uns zu.

Auf der Fahrt durch den Ort zum Gottesdienst, trafen noch mehrere Trecker aus der Region ein.

Gemeinsam mit der BI besuchten wir den Freiluftgottesdienst.

Die anschließende Veranstaltung gegen den Schlachthof und die angestrebten Masthähnchenställe war von der BI gut organisiert. Unterstützt wurden wir hier von Friederich –Wilhelm Graefe zu Baringdorf . In gewohnter Weise stellte er die herrschende Agrarpolitik vor dem Hintergrund dieser Großschlachtanlage dar. Diese Schlachtanlage benötigt, um ausgelastet zu sein, 420 Hähnchenmastbetriebe a 40 000 Hähnchen und das alle 40 Tage. Vor dem Hintergrund, dass wir schon jetzt einen100% igen Selbstversorgungsgrad erreicht haben, wird der Hähnchenmarkt den gleichen Weg gehen wie die Milchproduktion. Es werden Überschüsse produziert, die dann zu Dumpingpreisen auf den Markt geschleudert werden. Verlierer ist wieder der Bauer. Solche Anlagen töten schon jetzt. Wir importieren das Futter für diese Hähnchen aus den armen Ländern des Südens- meistens Süd-Amerika. Ja, wir klauen den Menschen das Essen vom Teller, um damit bei uns Überschüsse zu produzieren und diese dann zu Dumpingpreisen und mit Hilfe von Steuergeldern  auf die Märkte der Länder der 3ten Welt zu schicken.

Die BI hat sehr daran gearbeitet einen guten Kontakt zu den Bauern in der Region herzustellen und viele Bauern stehen diesem Projekt kritisch gegenüber. Bisher sind lediglich 4 Bauanträge für entsprechende Hähnchenmastställe gestellt worden.

Herr Juretzko, Vorsitzender der BI, berichtete uns diesen Sachstand und die Beweggründe, Aktionen  und Erfolge  der Gruppe.

Johanna Böse-Hartje machte noch mal wieder klar, wie wichtig das Bündnis von Bauern und Verbraucher ist.

Weiter ging die Fahrt nach Uelzen.

Wir sind heute Abend ziemlich erschlagen, weil wir einen Tag mit Pech und Pannen zu bewältigen hatten.

Bei einem Trecker war ne Schraube locker, beim nächsten die Wasserleitung defekt und der dritte wollte erst gar nicht wieder anspringen. Außerdem mussten wir auch noch einen Treckerfahrer wegen Erschöpfung aus dem Verkehr ziehen. Aber mit gebündelter Anstrengung haben wir alle Widrigkeiten aus dem Weg geräumt.

Abend hatten wir dann noch eine gute, aber wenig besuchte Veranstaltung vor der Uelzena.

Untergebracht sind wir heute bei Familie Burmeister in Schmölau.

Morgen geht es weiter ins Wendland. 

01-06, Mittwoch: Bauernsternfahrt

Auswahl Medienberichte:

Protesfahrt für mehr Artenvielfalt bei Bauernhöfen NDR

Aktionen an zwei Tagen in Weißenfels Mitteldeutsche Zeitung

Traktoren rollen zum Kanzleramt Mitteldeutsche Zeitung

Treckersternfahrt für bäuerliche Landwirtschaft Ostseezeitung

Bauernfahrt macht Halt in Witzenhausen HNA

Bauern fordern in Hannover neue Agrarpolitik Wolfsburger Allgemeine

Bauernsternfahrt macht Station in Hannover bild.de

Ostfriesland - Berlin

Tagebucheintrag:

Der vierte Tag …

Es schreibt: Johanna Böse-Hartje

Gut in Hannover angekommen.

Ausstellung aufgehängt.

Veranstaltung auf dem Marktplatz unter der Schirmherrschaft von Christian Meyer, Vorsitzender des Agrarausschusses von Bündnis 90/ die Grünen.

Redner waren:

Frau Kreisel-Liebermann – Pastorin der Marktkirche

Herr Becker – Brot für die Welt

Herr Hoppe – Bundestagsabgeordneter Bündnis 90/ die Grünen

Christian Meyer – siehe oben

Johanna Böse-Hartje – BDM und AbL

Alle waren sich einig, dass wir andere Marktregeln brauchen und dass wir uns für unsere Überschussproduktion schämen müssen und damit den Hunger in die Welt exportieren.

Wir klauen den Menschen aus den Ländern des Südens das Essen vom Teller, um hiermit unsere Fleisch- und Milchüberschüsse zu produzieren, und dann einen Großteil davon wegzuschmeißen und den Rest zu Dumpingpreisen zu exportieren. Dies führt zu nichts anderem, als Bauern hier und dort kaputt zu machen.

Die Fotoausstellung „Mensch Macht Milch“ ist leider nur heute in der Marktkirche zu sehen.

Trecker vor Marktkirche

Nach der gelungenen und gut organisierten Veranstaltung in Hannover hieß es wieder: “Aaaufsitzen!“ Und weiter ging es Richtung Wietze.

Die Polizei gab alles, uns schnell aus Hannover rauszuschleusen – schließlich waren wir mitten im Feierabendverkehr.

Wir hatten die Stadtgrenze gerade passiert und waren fröhlich in voller Fahrt. Plötzlich kam der Treck abrupt ins Stoppen –die Polizei war irritiert, wir auch etwas verwundert – da sprang ein Fahrer vom Trecker ins Gebüsch: „Pinkelpause!“ (Namen werden aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht veröffentlicht.)

Erleichtert ging es weiter nach Wietze. Bevor wir das Ortsschild erreichten (dies übrigens sehr zur Freude unseres Filmers, der vorher lange nach einem Ortsschild von Hannover gesucht hatte, um es zu filmen) kam der Konvoi erneut zum Stoppen, denn zwei Menschen hielten ein großes Transparent quer über die Straße: „Herzlich willkommen in Wietze!“ – es waren Berenike und Peter von der Bürgerinitiative Wietze, die uns entgegengekommen waren. Überhaupt bereitete die BI gegen den Geflügelschlachthof uns einen überwältigenden Empfang!

Bei leckerer Pizza, Bier und Wein wurden die Gemeinsamkeiten unserer Anliegen herausgearbeitet.

Der Geflügelmarkt, der sich gerade einem 100%igen Sättigungsgrad nähert, wird durch solche industriegesteuerten Wachstumsprojekte den gleichen Weg gehen, wie der Milchmarkt: Überproduktion – Preisverfall – Ausschluss der Bauern vom Markt!

Durch die gute und umsichtige Arbeit der BI Wietze haben viele Bauern diese Teufelsspirale erkannt.

Der Schlachthof braucht mindestens 420 Hähnchenmastbetriebe um seine Kapazitäten auszulasten. Es gibt aber bis dato nur 4. In dem im Bau befindlichen Schlachthof sollen 135 MILLIONEN Hähnchen im Jahr/ 5 Hähnchen pro Sekunde!!! getötet werden.

Wir erwarten den morgigen Tag mit höchster Spannung. Die BI organisiert die Veranstaltungen und wir wissen von mehreren BI aus Niedersachsen, die uns morgen unterstützen werden.

Ebenso freuen wir uns auf das Arbeitslosennetzwerk ALSO aus Oldenburg – auch ihnen ist kein Weg zu weit, unseren gemeinsamen Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Unsere Treckerfahrercrew ist mittlerweile komplett ausgetauscht, jetzt fährt die hoffnungsvolle Jugend, lediglich Georg Greß ist noch seit Greetsiel dabei.

Er ist nun zum Jugendbeauftragten ernannt worden.

Morgen mehr 

-Zwischenkommentar-

Für alle, die sich nach dem Betrachten unseres 1. Tourvideos gefragt haben: Was macht eigentlich ein CDU-Kreistagsabgeordneter auf der Sternfahrt?

Mitmachen natürlich! Johann Sandersfeld sorgte schon vor Beginn der Bauernsternfahrt für Aufregung in Ostfriesland, als er Ottmar anrief und fragte, ob er nicht mitfahren könnte mit seinem Oldtimer-Traktor. Er sei zwar kein Landwirt, aber… Promt war er auf der Titelseite der Lokalzeitung. 

Was sind also die Beweggründe von Johann? -Er fährt nach Berlin, um seinen Parteiobersten klarzumachen, dass sie den Kontakt zur Basis verloren haben. Dass Politik so nicht funktioniert, wenn man die Bürger nicht mitreden lässt. Und ja, sein dringendstes Anliegen ist der Protest gegen die CO2-Verpressung, für die auch Probebohrungen in Uplengen/ Remels (Landkreis Leer) vorgenommen wurden, ohne dass die Bürger ausreichend über die Vorhaben, Auswirkungen etc informiert wurden.

Wir haben den Eindruck, Johann hat mittlerweile richtig Spaß unter den Bauern – auch wenn ihm auf seinem Lanz, der ja kein Dach hat wie die modernen Trecker, gleich am Montag die Mütze weggeflogen ist: Sie wurde direkt durch eine BDM-Mütze ersetzt. Einmischen und Fragen stellen tut er jedenfalls überall, so zuletzt am Dienstag bei der Podiumsdiskussion. Da wollte er von den Parteivertretern wissen, wie sie denn zum Thema Mindestlohn stünden!

Und was meinst Du, Johann? 

Allgäu - Berlin

Tagebucheintrag:

Mit 30 Km/H durch das schöne Frankenland

Hallo ich bin Jochen Fritz, Mitorganisator der Sternfahrt und bin gestern die Strecke von Fürth bis Kitzingen mit dem Traktor gefahren

22 Uhr strömender Regen, Den Bäuerinnen und Bauern steht die Erleichterung ins Gesicht geschrieben, denn man hat lange auf den mehr als notwendigen Regen gewartet.
Aufbruch am Dienstag in Neumarkt. Spontan entscheiden einige BDMler, Regine mit David ihrem Kleinen, Blasi und ein weiterer Wegbegleiter, mit ihren Traktoren uns nach Kitzingen zu begleiten. Schnell wird jemand zum Melken am Morgen und die Kinderbetreuung organisiert. Sie entscheiden noch nachts bis nach Fürth zu fahren um bei einem BDM Kollegen in Oberasbach zu übernachten. Der wird um 21 Uhr angerufen und freut sich auf unser Kommen.

Jan, unser Sternfahrer Nr. 1, fährt los. Wir räumen noch die Feldküche auf und packen zusammen. Ich im Polo hinterher. In falscher Richtung auf die Autobahn: 20 km Richtung Rosenheim. Schei…! Grund: der Scheibenwischer am Polo muss manuell bedient werden. Gegen 01 Uhr ereiche auch ich die BDM Familie bei Fürth, wo die anderen schon seit 24 Uhr sitzen. Es wird noch bis Nachts um 2 Uhr über gemeinsame Erlebnisse der Fahrt mit den Traktoren nach Brüssel geredet und viel gelacht. Was habt ihr eigentlich gemacht als es noch keine BDM gab?

Übrigens: Die Betten waren liebevoll bezogen mit Wasser am Bett und Handtüchern im Bad. Top Service. Wo kann man solche BDM-Hotels im Internet buchen?
Es war eine tolle Zeit. Herzliche Grüße an die Neumarkter BDM-ler. Ihr seid echt Spitze!
Wir sehen uns in Berlin.

Mittwochmorgens ging es weiter. Bei Regen vorbei an einer Biogas-Anlage der Stadt Fürth mit 10 Meter hohen Silowänden und vier Riesen-Fermentern. Geplant sind über 1 MW- Strom. Mais von 500 ha. Ja wir schaffen den Atomausstieg! Aber bitte lasst uns nicht gleich in die nächste Katastrophe schlittern. Wir brauchen dezentrale Biogas-Anlagen, die aus Scheiße Geld machen, Reststoffe verwerten und nicht die Pachtpreise in die Höhe treiben, so dass kein Milchbauer mehr überleben kann.

Dann mit Polizeigeleit und 25 Traktoren nach Kitzingen rein und dort eine tolle Veranstaltung erlebt. Tolle Reden, gutgelaunte Bauern und viel Zustimmung bei der Bevölkerung. Es hat richtig Spaß gemacht. Dann weiter Richtung Neudorf bei Scheßlitz. Durch wunderschöne Täler, Schafe auf Weiden, Kuhherden, schöne Hecken, Mohn und Kornblumen auf den Feldern. In Bamberg vorbei an den Stadtgärten, die in der Stadt noch als Vollerwerbsbetriebe geführt werden. Schöne Klöster und Stadtkerne. Ich muss sagen, ihr habt es schön in euerm Frankenland! Erhalten müssen das die Bäuerinnen und Bauern. Dafür brauchen sie faire Preise und Gelder aus Brüssel für diese Gemeinschaftsaufgabe. Denn von dieser schönen Landschaft profitieren wir alle. Damit das so kommt, dafür fahren wir nach Berlin.

Und das mit 30 km/h auf dem Steyr
Bei David (7 Jahre, Beruf: werdender Bauer), der mit auf einem 50 km/h Traktor seiner Mutter mitfuhr verursachte das nur Kopfschütteln: Warum haben die keine schnelleren Schlepper? So kommt man doch nicht nach Berlin!
Ich glaube er spach den meisten Anwesenden aus dem Herzen.
Nein. Wir haben uns bewusst für diesen schönen kleinen Steyr, mit offener Kabine und dem tollen Anhänger zum drauf mitfahren entschieden. Danke an die Familie Förster aus Maulbronn-Zaisersweiher, dass ihr uns den leiht um die Landschaft unterwegs zu genießen; das Wetter zu spüren (Es war richtig kalt und nass gestern); und um deutlich zu machen, dass, obwohl der Weg in eine neue Agrarpolitik nicht leicht zu schaffen ist, wir uns aber trotzdem auf den Weg machen. Und das macht richtig Spaß, wir laden euch ein uns zu begleiten.

Am Abend haben wir in Neudorf bei Scheßlitz den bewegenden Film der Landhändler von Bertram Verhaag gesehen, über die Familie Feilmeier die für gentechnikfreies Futtermittel kämpft. Das macht Mut und gibt Anregung zum Nachdenken. Ebenso der Bericht unserer Gäste aus Mexiko, die es nicht verstehen können, wie wir ihren heiligen Mais mit Gülle vermischen, um Strom zu erzeugen. Sie finden, es soll Biogasanlagen geben, aber bitte nicht mit Mais und Weizen darin, das hat sie verstört. Wenn Sie nach Hause kommen werden sie Rituale durchführen um den Mais und die Erde um Verzeihung zu bitten, für das was wir hier machen. Sie fürchten nämlich, dass der Mais nicht mehr wächst, wenn er nicht genügend respektiert wird. Es ist für sie nicht selbstverständlich, dass es gute Ernten gibt. Das passiert nur wenn die Schöpfung mit Achtung behandelt wird.
Danke an Silvia Pfeufer für die Organisation dieses intensiven und bewegten Abends.

Heute geht es weiter nach Berga/Elster um auf dem Hoffest des Kulturhof Zickra neues über „Die Auswirkungen der EU-Agrarpolitik auf den Hunger in der Welt“ zu erfahren. Zickra wir kommen! Jan ist schon seit 8 Uhr unterwegs.

Liebe Grüße aus Neudorf 

Südhessen - Berlin

Tagebucheintrag:

Auftaktveranstaltung Burg Hohenstein

Am Abend des ersten Junis ging es mit dem geschmückten Traktor zum Veranstaltungsort des Auftakts der Hessenroute.
In der Wiesenmühle gab es drei spannende Vorträge mit dem Schwerpunkt „Vom Acker auf den Teller“ und die Referenten – der Landwirt Tobias Müller, der Bäcker Holger Reising und der Koch Jochen Voigt – wurden regelrecht gelöchert von einem hochinteressierten Publikum. In der Abenddämmerung fährt Katharina dann zu ihrem Hof zurück, wo es dann morgen früh endlich losgeht. 

31-05, Dienstag: Bauernsternfahrt Tag 3

Allgäu - Berlin

Tagebucheintrag:

Schon wieder beginnt der Tag mit Sonnenschein und wir ziehen weiter. In Herrieden machen wir einen kurzen Stopp bei dem CSU-Bundestagsabgeordneten Josef Göppel und berichten, was wir schon erlebt haben. Auf ihn stoßen wir wenig später in Neumarkt zur Podiumsdiskussion, wo er im Kern die Ziele der Sternfahrt unterstreicht. Ausserdem treffen dort drei Milchbauern, die mit uns bis Neumarkt i.d. Oberpfalz, dem heutigen Etappenziel, mitfahren. Kurz vor Neumarkt stoßen weitere 15  Schlepper zu uns.

In Neumarkt kommt, lange ersehnt, unser Touren-Koch Wam Kat und sein fleißiger Helfer Phillip endlich zum ersten großen Einsatz. Mit regionalen Gemüsespenden bekocht er die 200 Gäste auf dem Gelände der Brauerei Lammsbräu. Kurz vor der Diskussion setzt noch Regen ein und mit leichtem Herzen strömen die Bauern ins Zelt. Frau Horn von der Brauerei begrüßt alle ganz herzlich und bei andauerndem Regen (endlich) besprechen verschiedene Redner ihre weiteren politischen Wünsche für die Landwirtschaft. Unter anderem stellt die Erzeugergemeinschaft JuRaps ihr Konzept für regionales Eiweißfutter vor. Auch unsere mexikanischen Gäste erzählen kurz, warum sie dabei sind und es wird Ihnen mit einem sehr herzlichen Applaus dafür gedankt.

(Es regnet immer noch….) 

Noch 120 Kilometer bis Neumarkt in der Oberpfalz

Ostfriesland - Berlin

Tagebucheintrag:

von Melanie Ball

Am dritten Tag der Sternfahrt hatten die Fahrer der Nordroute Gelegenheit, sich auszuruhen: Wir blieben in Barver und das Programm ging erst am Nachmittag los. So konnten auch Holger und Melanie die gestern versäumten Arbeiten an den Rechnern nachholen und die Gastfreundschaft der Familie Meyer genießen. (Melanie hatte sich am Montagmorgen bei ihrer ersten Treckerfahrt gleich beim Aufsitzen auf Ottmars Beifahrersitz so doll den Kopf an der Kabinendecke gestoßen, dass ihr für den Rest des Tages schlecht war und sie Kopfschmerzen hatte – so kann’s gehen, wenn Stadtkinder mal auf dem Land sind… Holger hatte einfach irre viel gefilmt und entsprechend viel zu schneiden!)

Ab 13 Uhr ging es dann auf dem Hof Feldhaus in Barver los mit einem kleinen Hoffest, Hofbesichtigungen und einer Diskussion mit den beiden LandratskandidatInnen, Inge Humann (von der FDP unterstützt) und Cord Bockhop (von der CDU, der SPD und den Grünen unterstützt). Für uns Stadtkinder wurde es zur Melkzeit interessant: Hier wird zwar nicht mehr per Hand, sondern mit einer Melkmaschine gemolken, aber doch nicht in den Dimensionen, die Herr Kriesmann mit seinem Melkkarrussell in dem 3.200-er-Kuhstall es vorhatte. 

Und darum ging es schließlich um 19 Uhr 30 in der Podiumsdiskussion, die von einem Einführungsreferat des renommierten landwirtschaftlichen Sachverständigen Karl-Dieter Specht aus Schleswig-Holstein eingeleitet wurde. Mit betriebswirtschaftlichen Zahlen legte er dar, dass industrielle Massentierhaltung sich nicht rentiert! Durch die steigenden Kosten würde auch ein Mega-Stall nicht produktionskostendeckend wirtschaften können; die Abhängigkeit von Molkereien und Weltmarkt wird dadurch nur mehr forciert. Auch die regionale Künstlerin Majanne Behrens sprach den Anwesenden mit ihren Liedern über die Kartoffel Linda und die Augen einer Kuh aus der Seele. Der Hof Feldhaus war gut besucht, v.a. Bäuerinnen und Bauern aus der Umgebung, aber auch Umweltschützer füllten die Scheune.

Leider wurden die Fakten gegen Mega-Ställe, die auch von Matthias Link (Sprecher der Tierärzte im Landkreis),  Eckehard Niemann (Bündnis Bauernhöfe statt Agrarfabriken) und Johanna Böse-Hartje (Milchbäuerin/ BDM) mit weiteren Argumenten belegt wurden, von so manch anderem Diskussionsteilnehmer ignoriert. – Zwischenruf aus dem Publikum: „Kann es sein, dass Sie gar nicht in der SPD sind?“ Doch vor allem Otto Deppmeyer (CDU-Landtagsabgeordneter) erntete mit seiner Wachstum-Wachstum-Wachstum-Schiene Pfiffe und Buh-Rufe. Abschließend forderte Johanna, dass die Milchbauern, die letzte Bastion der bäuerlichen Landwirtschaft, wieder Einfluss auf entweder die Preise oder die Mengen der Milch haben müssen, um zu fairen Bedingungen gute und gesunde Lebensmittel herstellen zu können.

Doch Barver ist auch ein positives Besispiel: Die geplante Vergrößerung eines benachbarten Milchviehbetriebs zeigte, wie auch in einem eingefleischten 1000-EW-Dorf die Stimmung kippen kann, wenn einige mutige BürgerInnen sich trauen, den Mund aufzumachen und für ihre Belange einzutreten- dank unermüdlicher Gespräche mit den Mitbürgern, Aufklärung und Ermutigungen hat der entsprechende Bauer mittlerweile den Großteil des Dorfes gegen sich und die Lokalpolitik hat seine geplante Vergrößerung von 1100 auf 3200 Kühe beschränkt auf 1600. Das soll vielen Bürgerinitiativen ein Vorbild und Lichtblick sein! 

30-05, Montag: Bauernsternfahrt

Fernsehbeitrag

Bericht Regio TV Schwaben

Bauerntag in Cloppenburg NDR.de Das Beste im Norden

 

Allgäu-Berlin

Von Ulm bis Wolpertshausen (Hohenlohe)

Tagebucheintrag:

Nach einem fürstlichen Frühstück bei der Familie Glöckle bei Ulm sind wir frohgemut in den zewiten Tag gestartet. In Langenau hatten wir Gelegenheit mit der regionalen Presse unsere Botschaften zu besprechen. Anschließend nahmen wir an dem Kinder-Mittags-Gottesdienst der evangelischen Geminde Langenau teil. Denn die Landwirtschaft nimmt in unserem Leben eine zentrale Rolle ein – auch wenn es viele moderne Menschen vergessen haben. Vor allem im ländlichen Raum ist die ländliche Kultur, das Familienleben, die Ernährung, die Arbeit aufs engste mit der bäuerliche Landbewirtschaftung und Viehhaltung verknüpft. Zum Abschluss übergaben uns die Kindergartenkinder und Erstklässler ein wunderschönes selbstgebasteltes Plakat, dass die verschiedenen Stadien des Getreides während der vier Jahreszeiten darstellt. Wir haben uns sehr über Bereicherung zu unseren Bildmaterialien gefreut!

Dann hieß es erstmal ein fahren, fahren, fahren nach Wolpersthasuen zum Bauernmarkt der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch-Hällisches Schwein. Nach einer kurzen Verschnaufpause diskutierten 3 AustauschbäuerInnen aus Oxaca (Mexiko) zusammen mit Rudolf Bühler (BESH) und Barbara Hofmann (Bäuerin und Landfrau aus Hohenlohe) über die großen Unterschiede zwischen der Mischkultur-Landwirtschaft in Südamerika und der Landwirtschaft in Deutschland. Besonders die Gentechnik und der billigere Mais aus den USA stellt momentan eine Gefahr für ihre Existenzgrundlage dar. 

Ostfriesland-Berlin

Tagebucheintrag:

von Johanna Böse-Hartje

Heute starteten wir aus Bad Zwischenahn nach Cloppenburg zum Bauerntag des Bauernverbandes. Eingeladen waren der nieders. Landwirtschaftsminister Lindemann sowie Ministerpräsident Mc.Allister.  Beide befinden sich nicht 100% auf Linie des Bauernverbandes und sollten eingenordet werden.

Die Teilnehmer der Sternfahrt wurden auf einem abgetrennten Teil des Platzes verwiesen .AbL und BDM waren gut vertreten,  Tierschützer BUND und BI s waren auch vor Ort.

Wir hatten dann aber die Möglichkeit mit Lindemann zu reden –er betrat sich auf unseren Platz.

Auf der Veranstaltung äußerte er sich dahingehend, dass es Formen der Landwirtschaft gäbe, die vom Verbraucher nicht mehr akzeptiert würden und darum einer Änderung bedürften.

Abends erreichten wir dann Barver.

Hier werden wir morgen den ganzen Tag sein, mit vollem Programm. 

11:30 - 16:30 Uhr: Cloppenburg, Kundgebung vor dem Landesbauerntag zum Thema Nutztierhaltung in Niedersachsen

29-05, Sonntag: Bauernsternfahrt gestartet

Auswahl Presseberichte

Bauern auf dem Weg Pressemitteilung

Die Bauernsternfahrt in der Tagesschau um 16:30 Uhr

Bauern und Fischer in einem Boot: Ostfriesen Zeitung

Bauernsternfahrt startet: Hamburger Abendblatt

Bauernsternfahrt zur Kanzlerin: bild.de

Aus Protest mit den Trecker: NDR

Vom Auerberg nach Berlin: Merkur-Online

Bauern demonstrieren mit Sternfahrt: bild.de regional

Bundesweite Sternfahrt für andere Agrarpolitik: Allgäu-Rundschau

 

Allgäu - Berlin

Tagebucheintrag:

Kurz nach 8 Uhr verlassen wir Ronried und machen uns auf, um rechtzeitig auf dem Auerberg zu sein. Unterwegs begegnen wir bereits den ersten Plakaten mit der Aufschrift: „Wir grüßen die Bauern-Sternfahrer“ während wir durch die schmalen Landstraßen im Ostallgäu fahren. Auch einige Schlepper reihen sich unterwegs hinter Jan und seinem Steyr ein. Bei strahlendem Wetter konnte man auf dem Auerberg bis zur Zugspitze sehen. In einem anspornenden Gottesdienst gab uns der Pfarrer seinen Segen und seine guten Wünsche für die Strecke mit. Anschließend war der Saal gerammelt voll mit Bauernfamilien aus der weiteren Umgebung und Romuald Schaber, Maria Heubuch, Walter Haefeker und Hubert Weiger erklärten, warum sie die Sternfahrt unterstützen.

Mit Polizeigeleit fuhr der Treck begeleitet von vielen Allgäuern nach Ulm. Unterwegs hatten wir den ersten Getriebeschaden und ein Schlepper, der ursprünglich bis nach Berlin mitfahren sollte, musste zurückgelassen werden. Der Fahrer, Walter Mauk aus Wolfratshausen, konnte zum Glück in seinen PKW umsteigen und ist nach wie vor dabei.

In Ulm erwarteten uns schon eine Reihe von Schleppern und Infoständen auf dem Münsterplatz. Mit Musik und interessanten Redebeiträgen trugen die Verbände aus der Umgebung ihr Botschaften vor: keine Gentechnik, nachhaltige Landwirtschaft, faire Preise und Mut für die Zukunft. Danach wurde das Sternfahrt-Team noch zu einem leckeren Abendessen am Münsterplatz eingeladen – nochmal vielen lieben Dank!

Todmüde fallen wir endlich ins Bett…. 

10 - 14 Uhr: Bernbeuren bei Marktoberdorf, Auftaktveranstaltung

19 - 20 Uhr: Ulm, Kundgebung auf Marktplatz

Ostfriesland-Berlin

Tagebucheintrag:

von Johanna Böse-Hartje

Start der Bauernsternfahrt: „Auf dem Weg für eine bäuerliche Zukunft“

Um ca 1o Uhr trafen wir in Greetsiel ein. Der Hafen füllte sich nach und nach mit etwa 40 Treckern und 200 Menschen, Bauern und Mitglieder der anderen Organisationen. Dies allein war schon ein imposanter Anblick. Trecker an Trecker, aufgereiht an der Hafenkante und im Hintergrund die Masten der Fischkutter.

Nach einem Gottesdienst begann die Auftaktveranstaltung. Karin Mansholdt hielt die Eröffnungsrede und stellte die  Situation und Forderungen der Milchbauern dar.

Dirk Sander, Vorsitzender der Fischereigenossenschaft, sprach für die Krabbenfischer und kündigte seine Anwesenheit am 9.Juni in Berlin an.

Des Weiteren stellten Vertreter des NABU, des BUND sowie Vertreter von Bürgerinitiativen Ihre jeweiligen Botschaften und Forderungen vor. Auch die Politik nahm uns wahr, es gab Grußworte von den Grünen, von Frau König, von den Linken, sowie von Herrn Groote, EU-Abgeordneter der SPD.

Große Medienpräsens, (Tagesschau 16.30)

Weiter ging es mit 10 Treckern nach Hesel, hier machten wir Kaffeepause bei Christa und Steffen Hinrichs. Unser nächstes Ziel war Edewecht, das Käsewerk der ehemaligen Nordmilch, nun deutsches Milch(Kartell)kontor.

Auch hier waren wir dann letztendlich mit 16 Treckern anwesend. Martin Morisse  sprach über die Nichtteilnahme der Milchbauern am Markt. Er stellte unsere Forderung nach Rahmenbedingungen zur Marktteilnahme in den Focus seiner Ausführungen.

Den Abschluss bildete dann ein schöner Grillabend bei Familie Ahlers in Bad Zwischenahn. Wir sind mit dem Verlauf heute sehr zufrieden, die Routen haben alle gut geklappt, die Polizei sehr freundlich.

Morgen früh starten wir Richtung Cloppenburg. 

Mehr Eindrücke bekommt ihr in unserem Video.

10 - 12 Uhr: Auftaktveranstaltung mit Krabbenfischer, NABU und BUND